Freitag, 30. November 2018

Veraltetes Denken von Teilen der Politik

„Mir ist noch nicht klar, wie Bewegen aus Daumen und Zeigefinger Sport sein soll, auch wenn sich auf dem Bildschirm was bewegt. Wenn uns die Frage der Bewegung beschäftigt, dann passt das nicht. […] E-Sport hat mit Sport nichts zu tun. Wir müssen diesen Begriff ausradieren. [...]“
Peter Beuth (CDU)

Weiter sagt er: „E-Sportler sind keine Sportler, da bleibe ich konservativ. Und diese Gemeinschaft im E-Sport ist ja nicht das, was Millionen von Kinder machen. Sondern die sitzen alleine vor der Konsole und haben vielleicht einen Spielpartner, der sonstwo auf diesem Planeten sitzt. [...]“

Inhaltlich und auch definitionsgemäß äußert sich Herr Beuth hier an vielen Stellen fehlerhaft. Erstens ist seine Prämisse falsch, dass Sport sich ausschließlich durch Bewegung definieren würde. Denn Sport ist viel mehr als das: Fairplay, soziale und gesellschaftliche Strukturen und Aspekte, Kommunikation, Anstrengung, Regeln, ein Hobby, eine Fankultur und vor allem ein gewisser Grad an Wettkampf. All diese Aspekte erfüllt der e-Sports. Im Übrigen erkennt man die fehlerhafte Grundannahme von Herrn Beuth auch daran, dass Schach als Sport anerkannt ist. Darts ist Sport, Angeln ist Sport, Sportschießen ist Sport. Das sind jetzt alles keine Sportarten, bei denen man einen Marathon läuft. Trotzdem sind sie anstrengend und erfordern ein hohes Maß an bestimmten Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Zweitens wäre e-Sports ebenfalls als Sport zu definieren, wenn die Bewegung der einzig maßgebliche Aspekt wäre. Gute Spieler führen bis zu 400 Aktionen pro Minute aus und das asynchron, also mit unterschiedlichen Bewegungen der Arme und Hände. Hirnregionen werden gezielt stimuliert und gefördert, ebenso ist eine gute Hand-Augen-Koordination gefragt. Die Sporthochschule Köln etwa sieht in wissenschaftlichen Studien den e-Sports deutlich als Sport.

Drittens begründet Herr Beuth seine grundsätzliche Haltung damit, dass er „konservativ“ sei. Konservativismus definiert sich dadurch, dass man an etwas Bewährtem festhält, bis sich etwas Besseres findet. Ich selbst bin ein sehr konservativer Mensch. Das, was Herr Beuth meint ist nicht „konservativ“ zu sein, sondern eher „reaktionär“. Die Zeit einer überholten Sportdefinition ist allerdings vorbei.

Viertens widerspricht er sich. Er sagt, dass „Millionen Kinder“ alleine vor der Konsole sitzen würden, aber einen Spielpartner hätten, der irgendwo anders sitzt. Dann sind sie aber nicht mehr alleine, sondern sie spielen gemeinsam oder gegeneinander. Auch hier verharrt Herr Beuth in veralteten Denkmustern. Gemeinschaft definiert sich nicht vordergründig durch ein Beisammensein im „Reallife“, sondern durch die generelle Zugehörigkeit zu einer Gruppe.

Fünftens bildet die „Gemeinschaft im E-Sport“ sehr wohl auch Breitensportler ab. Es geht nicht nur um die professionellen und semi-professionellen Spieler, sondern auch um jene, die wettbewerbsorientiert ihrer Leidenschaft „Gaming“ nachgehen ohne damit Geld und Güter zu verdienen: Von der ESL im Amateurbereich, über im Spiel integrierte Ligasysteme bis hin zu frei zugänglichen LAN-Events.

Als Randbemerkung sei erwähnt, dass ich den Begriff „ausradieren“, den Herr Beuth im Hinblick auf den e-Sports verwendet, extrem unpassend finde, wenn man über die Leidenschaft von Millionen von Menschen spricht. Das ist eine Art der sprachlichen Entgleisung, die wir eigentlich seit 70 Jahren überwunden haben sollten.

Abschließend bleibt für mich persönlich festzustellen, dass ich mich vor rund neun Monaten nicht grundlos aus der Politik zurückgezogen und die CDU verlassen habe.

Wenn Sie, Herr Beuth, einmal ergebnisoffen über das Thema e-Sports sprechen möchten, dann dürfen Sie mich gerne kontaktieren.